Forio - Lacco Ameno. Küstenspaziergang: (ca. 3 Stunden)

Auf dieser Route erleben die hautnah die Entstehung der wunderschönen Landschaft Ischias.


Die ca. 3 stündige Wanderung von Forio nach Lacco Ameno führt Sie an Naturphänomenen, bekannten Feriendomizilen, sowie an einem für Ischia so typischen Thermalpark, dem Thermalpark Negombo, vorbei.
Geographisch befinden wir uns im Nord-Westen der Insel Ischia. Wir spazieren über den Strand von Chiara und San Francesco, bis wir zur Kirche San Francesco gelangen. Von dort aus überqueren wir den Lavastrom von Zaro und bekommen dabei eine Sicht auf die skurrilen Lavakämme. Auch die Feriendomizile von dem Opernsänger Caruso als auch von dem berühmten Regisseur Visconti bekommen Sie zu sehen. Auf der anderen Seite des Lavastroms erreichen wir die Bucht San Montano und den Thermalpark Negombo. Bergabwärts geht es schließlich in das Städtchen Lacco Ameno.

Sie stehen am Hafen von Forio und können in der einheimischen Bar „La Lucciola“ aus starten. Als Insider Tipp empfehlen wir dort einen „Americanino“ zu trinken. Es wird in einem kleinen Glas zubereitet und besteht aus Espresso mit aufgeschäumter Milch und Kakaopulver oben drauf. Da Sie von Westen nach Osten wandern, befindet sich der Epomeo, die höchste Erhebung Ischias stets zu Ihrer Rechten und das Meer zu Ihrer Linken.
Der EpomeoDer Epomeo entstand durch eine Hebung und zerbrechen von Gesteinsschichten. In der Geologie nennt man solch eine Hebung einen Horst und umgekehrt eine Senkung der Gesteinsschichten einen Graben. Durch den Druck der Magmakammer, zerbrach die unter dem Meeresspiegel liegende Gesteinsschicht in mehrere Schollen und wurde nach oben gedrückt. Die höchste Scholle ist der Horst, der Epomeo-Gipfel. Auch heutzutage findet man 400m über dem Meeresspiegel kleine Schnecken, die davon zeugen, dass diese Schicht einst unter dem Meeresspiegel lag.
Unter der Kreuzung, die vor Ihnen liegt, befindet sich bei Regen ein Thermalwasserbach, der Wasser in den Hafen schleust. Der Hafen von Forio ist künstlich angelegt. Gehen Sie am Hafen vorbei. Sie sehen hier und da größere Gesteinsbrocken an der Küste, welche vom Epomeo durch eine Folge von der Gravitationskraft runtergerollt sind (s. Abb.).
Die grüne Farbe dieser Tuffbrocken ist dabei signifikant. Tuff ist eine übergeordnete Bezeichnung für verfestigtes pyroklastisches Material aller Korngrößen. Die Partikel werden bei einer Eruption in die Luft geschleudert und fallen dann wieder herunter, wo sie durch die Temperatur von ca. 300°C, welche sie noch haben, miteinander verschmolzen werden. Die grüne Farbe rührt daher, dass das Gestein einst unter dem Meeresspiegel lag und somit Chlor in seine Kristallstruktur eingebaut hat. Wenn Sie nun an der Küste entlang schauen, sehen Sie ca. 1km entfernt eine Landstück, das ins Meer hineinläuft: Sie blicken auf den Lavastrom von Zaro, welchen sie überqueren werden. Zuerst aber folgen Sie dem Küstenstreifen.

Sie spazieren am Chiara Strand entlang. Die Besonderheit des Strandes liegt zu Ihren Füßen: Der Sand hat eine grünliche Färbung. Die Gerölle des Epomeo waren hierbei der Materiallieferant. Die Schutt wurden durch die Wellenbewegung immer feiner geschliffen, bis sie letztendlich ihre kleine Größe erreicht haben. In der Geologie wird diese Größe als Mittelsand bezeichnet. Durch die Bebauung der Insel und somit der Abschottung des Schutt-Lieferers Epomeo, wird der Strand immer kleiner. Durch Abtragung der feinen Sandpartikel von Wind und Wasser und keiner weiteren Zufuhr an Material, wird der Strand abgetragen.
Vor der Küste sehen Sie ca. 50m entfernt Felsbarrieren aus Lava- und Kalkstein. Sie dienen als Wellenbrecher, um die Strände und die Küstenbauten vor Abtragung zu schützen (s. Abb.).

Sie gehen am Ende des Chiara Strandes auf der Parallelstraße weiter. Nach einigen Metern finde Sie links die Treppenstufen am Meer und gehen den Weg runter und nachher wieder hoch. Bei Betrachtung der Mauer rechts von Ihnen fällt auf, dass Sie mit Rissen durchzogen ist. Diese kommen daher, dass sich die Mauer nach unten absetzt, weil von unten der Boden durch den Wellenschlag unterspült wird. Mit Hilfe von Felsbarrieren direkt an der Mauer möchte man weiteres absenken verhindern. Achten Sie bei weiterem Laufen auf die Gerölle am Meer, wie zum Beispiel diese hinter dem Wendeplatz, die irgendwann zu Sand werden.

Sie wandern nun auf der Straße entlang. Nach einiger Zeit erreichen Sie die Bar „Il Fortino“. Auf dieser Terrasse können sie ein Halt machen und das Gefühl bekommen direkt über dem Meer zu sitzen. Der Weg führt Sie weiter durch bebautes Gebiet. Bei der Kreuzung links halten. Die Mauern sind hier ebenfalls aus Tuff, manchmal auch aus dem grünen Epomeo-Tuff. Bei kleinen weißen Einsprenglingen handelt es sich um Sanidine- Feldspatvertreter.
Fast am Lavastrom angekommen, bei der Bar „Da Nicola“, schauen Sie noch einmal runter auf den Strand San Francesco. Auffällig ist dort die schwarze Färbung des Sandes: Der Lieferer ist diesmal der Lavastrom und nicht der Epomeo. Biotit ist ein dunkles, blättriges Mineral und verursacht die Färbung. Da es sehr fein ist, liegt es oben und wird von Wind und Wasser abgetragen.

Sie stehen nun vor dem Lavastrom von Zaro. Der Lavastrom ist vor ca. 6000 Jahren entstanden. Diese Erkenntnis hat von Manufakturen, die aus dem Bronzezeitalter vorgefunden hat. Bei dem Lavastrom gab es mehrere Ausbruchzentren. Die Hülle einer Staukuppe hielt dem inneren Druck nicht Stand, sodass Magma ausfloss. Durch nachdrängendes Magma entstand ein zweiter extrusiver Dom, der ebenfalls extrudierte. So entstanden mehrere Dome, die auch gleich mehrere Ausbruchzentren bedeuteten. Die Lava ist dabei ca. 1km ins Meer geflossen und die Menge an Lava betrug ca. 100 Millionen m3, was die größte Lavamenge Ischias herausbrachte. Wenn sie den Lavastrom genau anschauen, sehen sie Farbwechsel im Gestein. Dies rührt daher, dass sich mehrere Lavaströme überlagert haben.
Am Meer befindet sich eine kleine Grotte. Sie entstand ebenfalls durch Erosion, weil dort weicheres Material anzutreffen war und durch das Meer abgetragen wurde.

Sie gehen nun den Weg nach oben an der Kirche San Francesco vorbei (s. Abb.), bis Sie zu einer Kreuzung kommen. Auf ihrem Weitern Weg werden sie immer mal wieder zackenartige Steine sehen. Ersteres sind Lavakämme (s. Abb). Als das Gestein erkaltet ist, kam eine solche Struktur zu Stande. Bei der Kreuzung geht es rechts zur Hauptstraße und dem Garten „La Mortella“. Sie gehen links weiter. Bei einem Blick nach links schauen Sie runter auf die Stadt Forio, von wo aus Sie gestartet sind.
Wandern Sie weiter und halten Sie sich bei Kreuzungen stets links.

Sie kommen zuerst an einem kleinen Wandgebiet und danach an einem Boccia Platz vorbei, wo auch die Buslinie 20 endet. Dort können Sie links den Weg runter zum Meer gehen. Zu Ihrer Linken befand sich mal eine Mülldeponie. Durch eine schlechte Verriegelung der Deponie befindet sich auf dem Weg runter viel Müll. Die Bucht nennt sich „Punta Caruso“ und ist auch gleichzeitig das Ende des Lavastroms von Zaro. Enrico Caruso, ein bedeutender neapolitanischer Opernsänger Anfang des 20. Jahrhunderts hat seine Ferienvilla in dieser Bucht gehabt.
Wenn Sie weiter hinabsteigen, finden sie dort kleine Steinmulden, die mit Meerwasser aufgefüllt und von der Sonne erwärmt, kleine Wannen bilden, in denen man baden kann (s. Abb). Bei guter Sicht sehen sie von hier aus Ventotene und die Pontinischen Inseln. Sie gehen nun wieder zurück zu der Straße und von dort aus wieder links weiter.

Sie laufen durch ein schönes Waldgebiet mit Blocklava (s. Abb). Das ist Lava, die oberflächlich in glattbegrenzte, polyedrische Blöcke zerfallen ist. Solche Bildung kommt bei zähflüssiger und kieselsäurehaltiger Lava vor. Die Zähflüssigkeit verhindert die Abscheidung von Gasblasen. Wenn sie nun links eine Karte sehen, befindet sich dahinter die Villa della Colombia, das Feriendomizil von Luchino Visconti. Verschiedene Stile sind in der Bauweise der Villa vermischt. Zum einen hat es Türme, wie ein mittelalterliches Schloss, zum anderen Fenster im orientalischen Stil. Auf einem der Türme hat man einen schönen Blick auf das Meer und bei guter Sicht aufs Festland und die Inseln von Ventotene und Ponza. Ein Teil der Villa ist heute ein Museum, welches in dem Andenken an Visconti verschiedene Bilder und Gegenstände in Bezug auf ihn zeigt. Jedes Jahr bei dem Filmfestival in Ischia werden in dem beeindruckenden Garten Filme auf einer Leinwand gezeigt. Nach seinem Wunsch liegt auch seine Grabstätte auf dem Grundstück. Er gilt als einer der bedeutendsten Regisseure der europäischen Kinos.

Sie spazieren weiter geradeaus. Es geht weiter zur San Montano Bucht und dem Thermalpark Negombo. Thermalparks sind eine Ansammlung von verschiedenen Becken, die mit Thermalwasser gefüllt sind und eine Temperatur von 28°C-40°C haben. Thermalwasser entsteht an Bruchlinien in der Erdkruste. Regenwasser und Meerwasser kommt dort nach unten in der Nähe der Magmakammer nimmt Mineralien und Gase mit und steigt als Thermalwasser wieder auf.
Ein Teil des Strandes der San Montano ist auch öffentlich zugänglich. Gegenüber von Ihnen sehen Sie den Monte Vico. Durch ein Tor gelangen Sie wieder an die Hauptstraße (s. Abb.). Wenn Sie die Straße hoch gehen, kommen Sie nach ca. 200m an eine Kreuzung. Links davon, befindet sich eine Bushaltestelle. Der Weg runter führt sie nach Lacco Ameno.
Auf dem Weg runter sehen Sie kleine Häuser. Die sind nach einem starken Erdbeben im Jahr 1883 errichtet worden und werden auch heute noch bewohnt. Weiter kommen Sie zur Piazza Santa Restituta, wo auch die Kirche von Santa Restituta steht. In der Nähe befinden sich zwei Museen. Zum einen das „Museo Archeologico“, wo der Eingang sich neben der Kirche befindet und zum anderen das Museum „Villa Arbusto“, welches Sie kurz vor der Piazza antreffen.
Anschließend kommen Sie nach der Piazza dann in eine Fußgängerzone mit kleinen Geschäften zum Shoppen und kleinen Cafés und Bars. Genießen sie dort einen „Sfogliatella“. Das ist eine neapolitanische Gebäckspezialität aus Blätterteig mit einer Füllung aus Ricotta mit Zimt und Orangenaroma. Bald kommen Sie zum kleinen Hafen von Lacco Ameno.
Das dortige Wahrzeichen ist der „Fungo“ (Pilz), welcher durch die Tafoni-Verwitterung entstanden ist. Die Verwitterung findet sonderlicher Weise von unten nach oben statt. Obwohl das Material überall dasselbe ist, wird es am stärksten von unten erodiert.
Bei dem Verwitterungsprozess müssen vier Faktoren vorhanden sein: Wasser, Wind, Sonne und Salz. Salzhaltiges Wasser, welches vom Wind herangeweht wird, wird von Kapillarkräften in feinste Kapillaren des Gesteins gesogen. Durch die Wärme der Sonnenstrahlen verdampft das Wasser und die Salzkristalle fangen an zu wachsen. Der Platz zum Wachsen wird mit Absprengung kleiner Schüppchen vom Gestein geschaffen. Die Schüppchen werden vom Wind fort getragen. Im Laufe der Zeit formt das Zusammenspiel der vier Faktoren diese beeindruckende Felsform, den „Fungo“.

Sie haben nun die Wanderung beendet. Sie konnten sich einen Eindruck über die geologische Seite Ischias verschaffen, indem Sie den Epomeo-Tuff und seine Bedeutung für den Strand kennengelernt haben, über den Lavastrom von Zaro gewandert sind und dabei Lavakämme und Blocklava gesehen haben und auch die Entstehung des „Fungo“ in Lacco Ameno durch die Tafoni- Verwitterung kennengelernt haben.